Man kann nur lieben was man kennt und sich damit identifizieren !
Pierre Klein
Die Region zwischen Vogesen und Rhein nimmt an der protokeltischen Zivilisation (1500 bis 800 v. Chr.) teil. Die erste wirklich bekannte Besiedlung, jene der Kelten, findet in zwei Phasen statt, die den so genannten Perioden der Hallstattzeit und der Latènezeit entsprechen. Die Kelten, die ihren Ursprung in einem Rhein- Donau- Raum finden, sind ab dem 8. Jahrhundert v. Chr. anwesend und ab dem 5. Jahrhundert v. Chr. etabliert, im Zeitalter in dem sie ihre Wanderung nach dem Westen (Frankreich und britische Inseln) und dem Süden (Italien) verstärken. Später erscheint die Region für eine Zeit als fast entvölkert. Während der ganzen Vorgeschichte ist der Rhein keine Grenze. Die keltische Welt wird nie eine politische Gesamtheit bilden. Sie besteht aus Stämmen. Sie ist hauptsächlich ein geographisches und kulturelles Konzept.
Anfang des 1. Jahrhunderts v. Chr. ist die Lage der verschiedenen anwesenden Stämme in der Region folgende:
- Treverer nördlich des Seltzbach,
- Mediomatriker nördlich des Landgrabens (in der Nähe von Sankt-Pilt = Saint Hippolyte),
- Sequaner südlich des Landgrabens,
- Anwesenheit von Germanen.
Gegen 70 v. Chr. unter einem neuen Druck der Germanen werden die Treverer in Richtung Westen, die Mediomatriker ins "Krumme Elsass", die Sequaner der Saône zurückgedrängt. Ankünfte der Nemeter, der Triboker, der Rauraker und der Sueben (letztere etablierten sich nicht).
Im Jahr 58 v. Chr. schlägt Caesar in der Nähe von Sennheim (Cernay) Ariovist und sein Suebenheer. Es ist der Beginn der römischen Anwesenheit in der Region.
Der Stamm der Sequaner hatte die germanischen Sueben aufgefordert, ihm in seinem Kampf gegen die Häduer zu helfen. Was sie auch getan haben. Als Belohnung sollten die Sueben einen Teil des Territoriums der Sequaner zukünftig besitzen. Ihrerseits beabsichtigten die Helvetier in Richtung Westen auszuwandern. All das missfiel den Römern, die in den Kampf gegen Ariovist und seine Sueben zogen. Nachdem sie sie geschlagen hatten, wie sie auch die Helvetier schlugen, begannen die Römer, die Region in ihren Einflussbereich zu nehmen und dies für mehrere Jahrhunderte.
allmählich wird die Region (Civitas der Nemeter, der Mediomatriker, der Triboker, der Sequaner und der Rauraker), in das römische Imperium integriert, zuerst in die Provinz Gallia Belgica bis gegen 30 v. Chr., dann in die Provinz Germania Superior mit Mainz als Hauptstadt.
All diese Provinzen befinden sich in dem was die Römer "die Gallien" nannten. Der Rhein wird eine Grenze. Waren die Stämme die in der Region ansässig waren keltische oder germanische Stämme? Waren die einen germanisierte Kelten, die anderen keltisierten Germanen? Man wird es zweifellos nie wissen. Die Frage ist im Übrigen nicht von großer Bedeutung. Immerhin ist es der am Rhein angekommene Caesar der bestimmte, dass das rechte Ufer Germanien sei und das Linke Gallien. Indem er dies tat schuf er aus einem geografischen und kulturellen Konzept ein Politisches. Germanien wie Gallien sind vor allem römische Konzepte. Die Gallier wussten wahrscheinlich nicht, dass sie solche sind. Sie nannten sich Kelten.
Nach den Forschungen der Linguisten ist erwiesen, dass sich die Germanen im Jahr 0 auf dem Rheinknie befanden.
Vom 1. Jahrhundert an werden germanische Invasionen folgen. Germanen, Kelten und Römer kohabitieren ihre Sprachen auch.
Der Rhein ist Grenze bis 88 n. Chr. und wird es 260 wieder. Inzwischen lag die Grenze jenseits des Dekumatenland (ungefähr aktuelles Baden-Württemberg), am Limes (= verstärkte Grenzen). Die wichtigste Stadt ist Argentoratum (künftig Strateburg=Stra?burg), zuerst als Lager gegen 12 v. Chr. und als Stadt gegen 70 n. Chr.
Im Jahr 297 erfolgt eine neue Verwaltungsunterabteilung. Der Norden der Region wird der Provinz Germania Prima und der Süden der Maxima Sequanorum zugeschlagen.
Im Jahr 352, Beginn der Etablierung der Alemannen.
Im Jahr 395 wird das römische Imperium in ein Imperium des Westens und ein Imperium des Ostens aufgeteilt.
Im Jahr 406, gibt Rom die Stellung am Rhein auf, der von nun ab keine Grenze mehr ist.
Im Dezember 406 überqueren sehr starke Kontingente von Sueben, von Vandalen und von Alanen den Rhein. Es ist die große Migration insbesondere in Richtung Westeuropa der Germanen. Dieses Geschen gehört zur gro?en Völkerwanderung, die bereit begonnen hatte und noch andauern wird.
Nach Infiltrationen und Invasionen seit der Mitte der römischen Periode, installieren sich die, kurz von den Franken gefolgten, Alemannen definitiv in der Region. Die Franken werden im Norden des Seltzbachs und die Alemannen im Süden sesshaft. Das Elsass wird ganz ein Land deutscher Sprache. Die Franken, die Alemannen, aber auch die Westgoten und Burgunder schaffen progressiv ihre Königreiche auf dem Raum der ehemaligen römischen Gallien. Es sind aber vor allem die Franken, die gleichzeitig als Gegner und als Erben der Römer erscheinen werden. Ausgehend von dem kleinen "Francia", das sich jenseits des Rheins befand, verbündet mit der Kirche und von ihr unterstützt, werden die Franken, bzw. die Merowinger, ein Imperium errichten, das unter Karl des Grossen seine grö?te Expansion kennen wird. Auch kommen sie von einer gewissen Art und Weise als die Vorbereiter Europas vor. Ab der Mitte des 5. Jahrhunderts ist die Region gänzlich in den Händen der Alemannen. Das politische Elsass ist im Werden. Ab 751 übernehmen die Karolinger die Herrschaft im Frankenreich.
im Jahr 451, wie in ganz Westeuropa, Invasion der Hunnen von Attila.
Die Hunnen werden durch ein fränkisch, römisch und westgotisches Heer auf den Katalaunischen Feldern in der Nähe von Reims geschlagen. Es handelt sich dort um die erste europäische Koalition gegen einen gemeinsamen Feind. Es ist nicht übertrieben darin eine Gründerhandlung Europas zu sehen.
das Jahr 476, ist jenes des Endes des weströmischen Imperiums. Romulus Augustulus, der letzte Kaiser wird durch den Ostgotenherrscher Odoaker abgesetzt.
zuerst Mitglied eines alemannischen Königreichs wird das Elsass im Jahr 496 dem Königreich der Franken nach der Schlacht von Zülpich (Tolbiac) unterbreitet.
In der Tat bleiben die Alemannen nicht lange die Meister der Region. 496, nach seiner Schlacht gegen die Alemannen lässt Chlodwig (Clovis), ein Merowinger, das Elsass unter der fränkischen Beherrschung übergehen. Die alemannische Bevölkerung bleibt allerdings vor Ort. Die Legende erzählt, dass, um den Sieg zu erhalten Chlodwig das Versprechen machte, die christliche Religion aufzunehmen. Dies tat er auch.
im Jahr 511 wird das Königreich der Franken unter den vier Söhnen Chlodwigs in vier fränkische Königreiche geteilt. Das Elsass kommt zum Königreich Austrasien, Hauptstadt Metz, das bis 771 bestehen wird. Die Merowinger besitzen u.a. eine Residenz in Kirchheim-Marlenheim, die sie öfters besuchen.
im Jahr 556 entsteht ein Herzogtum Alemannien (darunter auch das Elsass).
Der Name Elsass erscheint im 7. Jahrhundert in der lateinischen geschriebenen Form "Alsatia". Die mündliche germanische Form aus der"Elsass" hervor kommen wird, müsste noch älter sein. Es handelt sich also um einen der ältesten Landesnamen in Europa, sehr viel älter als jener von Frankreich oder von Deutschland.
im 8. Jahrhundert: Neugründung der Diözesen von Straßburg (Nordgau und Ortenau) und von Basel (Sundgau und Aargau).
von 640 bis 740 besteht ein Herzogtum Elsass. Das politische Elsass ist geboren geworden.
Das Lehnwesen, eine Staats- und Gesellschaftsordnung das zur Grundlage des mittelalterlichen Feudalismus wurde, fängt an sich aufzubauen.
nach 740 unter den Karolingern verschwindet das Herzogtum Elsass. Er wird im folgenden Jahrhundert durch zwei Grafschaften ersetzt:
- die des Nordgaus, die hauptsächlich das Unterelsass umfassen wird, kommt in den Besitz der Egisheimer,
- die des Sundgaus, die hauptsächlich das Oberelsass umfassen wird, in den der Habsburger.
im Jahr 800, wird Karl der Große (Charlemagne) in Rom zum Kaiser gekrönt.
Mit Karl dem Gro?en und seinem vereinigten Frankenreich wird ein erstes politisches Europa geschaffen. Obwohl er sich auf Rom beruht, Rom war das römische Imperium, das heißt, obwohl es seinen Anteil in der europäischen Entwicklung hat, eine andere Welt, also nicht Europa.
im Jahr 813 wird Ludwig der Fromme von seinem Vater Karl der Gro?e selbst zum Mitkaiser gekrönt.
833 Ludwig der Fromme unterliegt bei Colmar, auf dem Lügenfeld, gegen seine aufständischen Söhne.
823 wird Lothar der älteste Sohn Ludwig des Frommen zum Kaiser gekrönt.
im Jahr 842 treffen sich bei Strassburg die zwei Brüder und Gegner von Lothar und schwören sich in den Stra?burger Eiden gegenseitige Hilfe.
im Jahr 843 wird das Frankenreich Karl des Gro?en im Vertrag von Verdun unter seinen drei Enkelkindern aufgeteilt, bzw. in ein Frankenreich des Westens, das Karl dem Kahlen (Charles le Chauve) zukommt, in ein Frankenreich der Mitte, später Lotharingien genannt, das Lothar (Lothaire) zugesprochen wird und in ein Frankenreich des Ostens, das Ludwig der
Deutsche (Louis le Germanique) erhält. Bei dieser Aufteilung wird das Elsass an Lotharingen integriert.
durch den Vertrag von Meersen von 870, kommt das Elsass mit einem Teil Lotharingiens zu dem Frankenreich des Ostens.
durch den Vertrag von Ribemont von 880, kommt der Rest Lotharingiens an das Frankenreich des Ostens.
Die Grenze zwischen dem künftigem Deutschland und dem künftigen Frankreich wird aufgestellt. Sie verkehrt ungefähr nach einer Linie Rhone, Saône, Maas und Schelde (Escaut).
im Jahr 911 stirbt Ludwig das Kind (Louis l'Enfant), der letzte Karolinger von Ostfrankenreich.
Mit der Wahl von Konrad I., also von einem nicht Karolinger, scheint die Idee der fränkischen oder karolingischen Kaisereinheit definitiv aufgegeben. Das regnum teutonicum behauptet sich hinsichtlich dem Westfrankenreich.
nach dem Tod Konrad I. wird der Herzog Heinrich von Sachsen durch fränkischen und sächsischen Gro?e im Hoftag zu Fritzlar zum Ostfränkischen König gewählt. Er gilt als erster "deutscher" König.
im Vertrag von Bonn anno 921 erklären das Ost- und das Westfrankenreich ihre Unabhängigkeit und kennen sich gegenseitig an.
im Jahr 923 entsteht das Herzogtum Schwaben und Elsass, auch Alemannien genannt, dessen das Elsass zugehört. Es besteht bis 1268.
zwischen 924 und 926 fallen die Ungarn auf verheerenden Zügen mehrfach ins Frankenreichreich, d.h. auch ins Elsass, ein. Heinrich besiegt sie 933 bei Riad an der Unstrut.
962 wird Otto I. in Rom zum Kaiser erhoben.
Die Idee eines erneuerten römischen Imperiums verwirklicht sich. Der Kaiser plant sich als die höhere Autorität der Christenheit und als der Beschützer der Kirche. Das Prinzip der Einheit in der Vielfalt beginnt sich einzusetzen. Das Reich baut sich auf der Basis der sogenanten Stammesherzogtümer (Franken, Schwaben, Bayern, Sachsen auch Lothringen), die erblich wurden und königliche Macht anstrebten, auf. Auch versuchte der Kaiser sein Reich zu konsolidieren. Otto I. begann den Kampf um ihre Umwandlung in Amtsherzogtümer. Es entsteht ein Reichkirchensystem in dem der König, gestützt auf sein Investiturrecht, wichtige Herrschaftsaufgaben auf die von ihm ernannten Bischöfe und Äbte überträgt. Dies als Gegengewicht zu den weltlichen Fürsten.
Die Benennung "Romanorum imperator" oder Kaiser der Römer erscheint 982, jenem von "imperiumsacrum" oder Heiliges Reich im 12. Jahrhundert, jenem von "sacrum Imperium Romanum" oder Heiliges Römisches Reich 1254 und schließlich gegen 1450 die Hinzufügung "Nationis Germanicae". Das Heilige Römische Reich deutscher Nation, auf Französisch "le saint empire romain germanique" wird bis 1806 überleben. Das Elsass wird ihm bis 1648 zugehören.
Pierre Klein
(Fortsetzung folgt). PK in Bulletin ABCM Zweisprachigkeit
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